Affalterbach, 20. Mai 2026. Mercedes-AMG hat das neue GT 4-Türer Coupé vorgestellt und damit den nächsten Schritt bei seinem elektrischen Performance-Ableger angekündigt. Das viertürige Modell basiert auf der AMG.EA-Architektur und soll mit drei Axial-Fluss-Motoren, 800-Volt-Technik und sehr hohen Ladewerten an den Markt gehen. Zum Auftakt nennt der Hersteller zwei Varianten, macht bei Preisen und genauer Verfügbarkeit in Deutschland aber noch keine vollständigen Angaben.
Kurz zusammengefasst:
Das neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé ist ein vollelektrischer Performance-Sportler auf AMG.EA-Basis. Genannt werden bis zu 860 kW (1.169 PS), 800 Volt, 600 kW DC-Ladeleistung und bis zu 460 Kilometer Reichweite in zehn Minuten. Die Serienproduktion soll im Sommer 2026 in Sindelfingen starten. Preise für Deutschland nennt Mercedes-AMG noch nicht.
Was Mercedes-AMG mit dem neuen GT 4-Türer Coupé plant
Mercedes-AMG erweitert seine GT-Reihe um eine vollelektrische Version des viertürigen Coupés. Das neue Modell soll die bekannte Baureihe in eine elektrische High-Performance-Generation überführen und auf der neuen AMG.EA-Architektur stehen. Für die Technik ist vor allem das Antriebskonzept entscheidend: Drei Axial-Fluss-Motoren, eine neu entwickelte Hochvolt-Batterie und ein 800-Volt-System bilden die Basis. Mercedes-AMG spricht von einem Serienfahrzeug, das Leistung nicht nur kurzzeitig, sondern auch wiederholt und dauerhaft abrufen können soll. Damit will die Marke zeigen, dass Elektromobilität im Performance-Segment nicht nur schnell, sondern auch belastbar und emotional sein kann.
Die technische Spitze ist klar definiert. Im GT 63 4-Türer Coupé nennt Mercedes-AMG bis zu 860 kW (1.169 PS) und 2.000 Nm sowie eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,1 Sekunden nach 1-Foot-Rollout. Das GT 55 4-Türer Coupé kommt auf 600 kW (816 PS) und 1.800 Nm. Beide Varianten setzen auf den vollvariablen Allradantrieb AMG Performance 4MATIC+ und sind bis zu 300 km/h schnell, wenn das Driver’s Package an Bord ist. Die Alltagstauglichkeit soll trotz dieser Werte nicht zu kurz kommen: Mercedes-AMG nennt für beide Modelle einen 106-kWh-Akku netto und WLTP-Reichweiten von bis zu 696 Kilometern beim GT 63 und bis zu 700 Kilometern beim GT 55. Die Angaben sind jedoch noch vorläufig, wie der Hersteller ausdrücklich vermerkt.
Technik, Batterie und Laden
Der Kern des neuen Antriebssystems sind Axial-Fluss-Motoren. Im Vergleich zu herkömmlichen Elektromotoren baut diese Bauart deutlich kompakter, weil der magnetische Fluss parallel zur Drehachse verläuft. Mercedes-AMG setzt an Vorder- und Hinterachse insgesamt drei dieser Motoren ein. Zwei sitzen hinten, einer vorn. Der Frontmotor dient als sogenannter Boostermotor und wird nur bei Bedarf zugeschaltet. Eine Disconnect Unit trennt ihn bei geringer Last wieder ab, um Verluste zu reduzieren. Die Hinterachse arbeitet mit zwei Motoren und getrennten Inverter-Einheiten, die für jede Anforderung schnell und präzise angesteuert werden können. Dadurch soll das Auto nicht nur brutal beschleunigen, sondern sich auch im Grenzbereich besonders fein dosieren lassen.
Auch die Batterie ist auf Performance ausgelegt. Mercedes-AMG beschreibt sie als eigene Entwicklung mit direktgekühlten Rundzellen, NCMA-Chemie und siliziumhaltiger Anode. 2.660 Zellen sind in 18 Module eingebaut, die aktiv gekühlt werden. Die 800-Volt-Technik soll dabei helfen, die Leitungsverluste zu reduzieren und schnelle Ladezeiten zu ermöglichen. Mit bis zu 600 kW DC-Ladeleistung nennt Mercedes-AMG Werte, die derzeit nur mit passender Ladeinfrastruktur erreichbar sind. Laut Hersteller können in zehn Minuten über 460 Kilometer WLTP-Reichweite nachgeladen werden, der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent soll 11 Minuten dauern. Die Angaben gelten allerdings nur unter den genannten Testbedingungen und bei entsprechend leistungsfähigen Säulen. Im Ladealltag dürfte das Modell damit vor allem dort glänzen, wo die Infrastruktur schon heute sehr hohe Ladeleistungen erlaubt.
Wichtig für den Ladealltag ist außerdem die Kompatibilität über 800 Volt hinaus. Das Fahrzeug kann laut Mercedes-AMG auch an 400-Volt-Infrastruktur laden und ist für mehrere internationale Lade-Standards vorbereitet. Damit richtet sich das Modell nicht nur an europäische Märkte, sondern grundsätzlich auch an andere Regionen. Für Deutschland nennt der Hersteller derzeit keine gesonderten Lade- oder Ausstattungsversionen. Aus Sicht potenzieller Käufer ist das relevant, weil es den Einsatzbereich trotz der Hochleistungs-Technik alltagstauglicher machen soll und nicht an eine einzige Infrastrukturgeneration bindet.

Fahrdynamik, Aero und Innenraum
Neben der Antriebstechnik spielt bei diesem AMG die Fahrdynamik eine zentrale Rolle. Das Modell erhält ein aufwendiges Fahrwerk mit semi-aktiver Wankstabilisierung, Luftfederung und aktiver Hinterachslenkung. Die Hinterräder lenken je nach Geschwindigkeit bis zu 6 Grad mit oder gegen die Vorderräder ein. Bei niedrigen Tempi soll das die Wendigkeit verbessern, bei höherem Tempo die Stabilität erhöhen. Dazu kommen aktive Aerodynamik-Elemente wie Venturi-Elemente im Unterboden, ein aktiver Heckdiffusor und ein ausfahrbarer Heckspoiler. Mercedes-AMG verbindet diese Maßnahmen mit einem niedrigen Luftwiderstandsbeiwert von 0,22, was für ein Fahrzeug dieser Größenordnung und Leistungsklasse ein bemerkenswerter Wert ist.
Im Innenraum folgt das GT 4-Türer Coupé dem bekannten AMG-Muster aus Fahrerfokus und technischer Inszenierung. Die Marke nennt ein fahrerorientiertes Cockpit mit 10,2-Zoll-Kombiinstrument, 14-Zoll-Zentraldisplay und optionalem Beifahrerdisplay. Ergänzt wird das durch AMG-spezifische Anzeigen, Drehsteller für die Fahrdynamik und zahlreiche digitale Funktionen. Auffällig ist zudem das Thema Klang: Über das Fahrprogramm AMGFORCE S+ soll ein V8-ähnliches Klangbild mit simulierten Schaltvorgängen vermittelt werden. Mercedes-AMG stellt das als bewusst emotionales Gegenstück zum elektrischen Antrieb dar. Ob und in welcher Form diese Funktionen in allen Märkten oder Ausstattungslinien verfügbar sein werden, bleibt offen. Gerade für langjährige AMG-Fans dürfte dieser Versuch, typische Verbrenner-Charakteristik in die Elektroära zu übersetzen, zu den spannendsten Details des Fahrzeugs gehören.
Marktstart, Produktion und offene Punkte
Die Serienproduktion des neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupés soll im Sommer 2026 im Werk Sindelfingen anlaufen. Dort werden laut Hersteller auch Pressteile, Rohbau und Lackierung organisiert. Die Antriebseinheiten entstehen im Werk Berlin-Marienfelde, wo Mercedes-Benz nach eigenen Angaben einen großen Teil der Produktionsprozesse neu aufgesetzt hat. Der Bestellstart soll in wenigen Tagen folgen. Mercedes-AMG nennt zunächst die Varianten GT 63 und GT 55, bleibt beim Thema Preis aber bewusst vage: Die Preise sollen sich an den vergleichbaren Vorgängermodellen orientieren. Konkrete Beträge für Deutschland werden noch nicht genannt.
Ebenfalls noch offen sind Details zu Ausstattungsumfang, finalen Ländern der Markteinführung und möglichen Sondermodellen für Europa. Die im Pressetext genannten Verbrauchs- und Reichweitenwerte sind als vorläufig gekennzeichnet. Auch das ist für Leser relevant, weil die endgültigen Typgenehmigungsdaten noch ausstehen. Fest steht aber schon jetzt: Mit dem neuen GT 4-Türer Coupé elektrifiziert Mercedes-AMG eines seiner auffälligsten Performance-Modelle und setzt dabei weniger auf reine Effizienz als auf die Übertragung klassischer AMG-Attribute in die Elektromobilität. Genau darin liegt auch die strategische Bedeutung des Fahrzeugs, denn es zeigt sehr deutlich, wie die Marke ihre sportliche Identität in die elektrische Zukunft tragen will.
Einordnung
Für AMG ist das Modell mehr als nur eine weitere Elektro-Neuheit. Das neue GT 4-Türer Coupé zeigt, wie die Marke den Übergang in die elektrische High-Performance-Welt gestalten will: mit extrem hoher Leistung, aufwendiger Kühlung, sehr schnellen Ladezeiten und einer betont emotionalen Darstellung von Fahrgefühl und Klang. Gleichzeitig macht der Hersteller deutlich, dass nicht alle Angaben endgültig sind. Gerade bei Reichweite, Verbrauch und Preisen bleibt deshalb bis zum Marktstart noch ein Teil der finalen Einordnung offen. Für den Markt ist das Auto damit nicht nur ein Technikträger, sondern auch ein Signal, dass AMG seine Rolle im Segment der Hochleistungsfahrzeuge künftig elektrisch neu definieren will.
Fotos: © Mercedes-Benz
