Das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung ist in nahezu allen europäischen Ländern verboten. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Telefonate mit dem Handy am Ohr. Auch das Schreiben oder Lesen von Nachrichten, das Bedienen von Apps, das Scrollen durch Menüs oder das längere Blicken auf ein Display kann als verbotene Nutzung gewertet werden.
Die Regeln unterscheiden sich je nach Land im Detail. Gemeinsam ist ihnen aber der Grundgedanke: Wer während der Fahrt auf ein Smartphone schaut oder es in der Hand hält, ist abgelenkt und reagiert später. Gerade bei Urlaubsfahrten, Mietwagen, unbekannten Straßen und dichterem Stadtverkehr kann das schnell gefährlich werden.
Die Bußgelder haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Besonders auffällig ist Griechenland. Dort wurden die Strafen 2025 massiv verschärft und treffen ausdrücklich auch Touristen.
Kurz erklärt: Die folgenden Beträge sind Richtwerte. Je nach Land, konkretem Verstoß, Wiederholung, Gefährdung oder Unfallfolge können höhere Strafen, Fahrverbote oder weitere Maßnahmen hinzukommen.
Handy am Steuer in Deutschland
In Deutschland ist die Nutzung elektronischer Geräte während der Fahrt verboten, wenn das Gerät dafür aufgenommen oder gehalten wird. Dazu zählen nicht nur Smartphones, sondern auch Tablets, Navigationsgeräte, Laptops, Smartwatches oder andere elektronische Geräte mit Kommunikations-, Informations- oder Unterhaltungsfunktion.
Erlaubt ist die Nutzung nur unter engen Voraussetzungen, etwa über eine Freisprecheinrichtung, Sprachsteuerung oder bei sehr kurzer Blickzuwendung auf ein fest eingebautes oder befestigtes Gerät. Entscheidend ist, dass der Fahrer den Verkehr weiterhin sicher beobachten kann.
| Verstoß in Deutschland | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Handy oder elektronisches Gerät am Steuer verbotswidrig benutzt | 100 Euro | 1 | - |
| Mit Gefährdung | 150 Euro | 2 | 1 Monat |
| Mit Sachbeschädigung | 200 Euro | 2 | 1 Monat |
Für Fahranfänger ist ein Handyverstoß besonders problematisch. In der Probezeit kann ein solcher Verstoß als schwerwiegender A-Verstoß gewertet werden. Dann drohen neben Bußgeld und Punkt auch die Verlängerung der Probezeit und die Anordnung eines Aufbauseminars.
Griechenland: Neue Bußgelder für Handy am Steuer
Griechenland hat die Strafen für Handyverstöße deutlich verschärft. Das ist besonders für Urlauber wichtig, die mit dem eigenen Auto, Wohnmobil, Motorrad oder Mietwagen unterwegs sind. Schon der erste Verstoß kann nicht nur teuer werden, sondern auch zum zeitweisen Führerscheinentzug führen.
| Handyverstoß in Griechenland | Bußgeld | Zusätzliche Folge |
|---|---|---|
| Erster Verstoß | 350 Euro | 30 Tage Führerscheinentzug |
| Zweiter Verstoß innerhalb von sechs Monaten | 1.000 Euro | 6 Monate Führerscheinentzug |
| Dritter Verstoß | 2.000 Euro | 1 Jahr Führerscheinentzug |
Die verschärften Regeln gelten nicht nur für Einheimische, sondern auch für ausländische Fahrer. Gerade bei Mietwagen kann ein solcher Verstoß weitere Probleme verursachen, etwa Bearbeitungsgebühren des Vermieters oder Einschränkungen bei der weiteren Nutzung des Fahrzeugs.
Bußgelder für Handy am Steuer in Europa
Die folgende Übersicht zeigt typische Mindestbeträge oder Richtwerte für ausgewählte europäische Länder. Je nach Land können die tatsächlichen Kosten höher ausfallen, etwa wenn zusätzlich Verwaltungsgebühren, Wiederholungstäter-Regeln, Gefährdung oder Unfallfolgen hinzukommen.
| Land | Bußgeld / Strafe bei Handy am Steuer | Hinweis |
|---|---|---|
| Belgien | ab ca. 110 Euro | je nach Region und Verfahren höher möglich |
| Dänemark | ca. 270 Euro | deutlich höher als in älteren Tabellen |
| Deutschland | 100 Euro | zusätzlich 1 Punkt; bei Gefährdung oder Schaden teurer |
| Frankreich | ab ca. 135 Euro | weitere Maßnahmen je nach Fall möglich |
| Griechenland | 350 Euro | zusätzlich 30 Tage Führerscheinentzug beim ersten Verstoß |
| Großbritannien | ab ca. 200 Pfund | bei Gerichtsverfahren deutlich höhere Strafen möglich |
| Irland | ab ca. 60 Euro | je nach Verfahren und Wiederholung höher möglich |
| Italien | ab ca. 250 Euro | Fahrverbot oder weitere Folgen möglich |
| Kroatien | ab ca. 130 Euro | abhängig vom konkreten Verstoß |
| Luxemburg | ab ca. 145 Euro | ältere Angaben mit 75 Euro sind nicht mehr zuverlässig |
| Niederlande | ca. 440 Euro | eines der teuersten Länder bei Handyverstößen |
| Norwegen | ca. 935 Euro | sehr hohe Strafen, zusätzlich weitere Folgen möglich |
| Österreich | ab ca. 50 Euro | bei Anzeige oder weiterer Gefährdung höher möglich |
| Polen | ab ca. 100 Euro | zusätzliche nationale Punktesysteme möglich |
| Portugal | ab ca. 120 Euro | je nach Fall bis in höhere Bereiche möglich |
| Schweiz | ab ca. 100 CHF | bei Gefährdung deutlich strengere Bewertung möglich |
| Slowenien | ca. 120 Euro | bei weiteren Verstößen höher möglich |
| Spanien | mindestens 200 Euro | bei schneller Zahlung kann es teils Nachlassregelungen geben |
| Tschechien | ab ca. 60 Euro | je nach Verfahren höher möglich |
| Ungarn | bis ca. 75 Euro oder mehr | abhängig von Kontrolle und Verfahren |
Die Tabelle ersetzt keine tagesaktuelle Länderprüfung vor der Reise. Gerade bei Auslandsstrafen ändern sich Beträge immer wieder. Hinzu kommen Wechselkurse, Gebühren, lokale Verfahrensregeln und mögliche Rabatte bei schneller Zahlung.
Freisprecheinrichtung ist meist erlaubt – aber nicht grenzenlos
In vielen Ländern ist Telefonieren über eine Freisprecheinrichtung erlaubt. Trotzdem bleibt der Fahrer verantwortlich. Wer durch das Gespräch abgelenkt fährt, unsicher lenkt, Schlangenlinien fährt oder einen Unfall verursacht, kann auch mit Freisprecheinrichtung Probleme bekommen.
Besonders kritisch ist die Bedienung des Geräts. Wer erst während der Fahrt Kontakte sucht, Nachrichten öffnet oder Apps bedient, riskiert einen Verstoß. Sicherer ist es, Navigation, Musik und Telefonverbindung vor Fahrtbeginn einzustellen.
Handy-Blitzer und KI-Kameras
Einige Länder setzen technische Systeme ein, um Handyverstöße zu erkennen. Dazu gehören Kameras, die Fahrzeuge erfassen und mithilfe automatisierter Auswertung Hinweise auf Handynutzung liefern. Anschließend prüfen in der Regel geschulte Personen, ob tatsächlich ein Verstoß vorliegt.
In den Niederlanden wurde der sogenannte Handy-Blitzer bereits bekannt. Auch in anderen Ländern wird über ähnliche Systeme diskutiert oder getestet. Für Autofahrer bedeutet das: Es reicht nicht mehr, nur bei sichtbarer Polizeikontrolle vorsichtig zu sein. Ablenkung am Steuer kann auch durch technische Kontrollen auffallen.
Ausländische Bußgelder nicht ignorieren
Ein Bußgeld aus dem Ausland sollte nicht einfach ignoriert werden. Innerhalb der EU können bestimmte Verkehrsverstöße grenzüberschreitend verfolgt werden. Dazu zählt auch die Handynutzung am Steuer. Wird ein Bußgeld nicht bezahlt, kann es außerdem bei der Wiedereinreise oder bei einer späteren Kontrolle im Urlaubsland erneut zum Problem werden.
Auch Mietwagenfahrer sollten aufpassen. Der Vermieter erhält häufig zunächst die Anfrage der Behörde und gibt die Fahrerdaten weiter. Dafür können zusätzliche Bearbeitungsgebühren entstehen, die unabhängig vom eigentlichen Bußgeld berechnet werden.
Praktische Tipps für Fahrten im Ausland
Am einfachsten ist eine klare Regel: Das Smartphone bleibt während der Fahrt außer Reichweite oder in einer festen Halterung. Telefonate sollten nur über Freisprecheinrichtung geführt werden. Nachrichten, Routenänderungen, Musik und App-Bedienung gehören in die Pause oder an den Straßenrand, wenn das Fahrzeug sicher steht.
Wer mit Mietwagen oder Wohnmobil unterwegs ist, sollte sich vor Fahrtbeginn mit Navigation, Freisprechfunktion und Bedienlogik vertraut machen. Das verhindert hektisches Suchen während der Fahrt und reduziert das Risiko für gefährliche Ablenkung.
Zusammenfassung
Handy am Steuer ist in Europa fast überall verboten und wird immer strenger kontrolliert. Die alten Bußgeldbeträge aus früheren Jahren sind vielerorts überholt. Besonders Griechenland hat seine Strafen massiv erhöht: Schon beim ersten Handyverstoß drohen 350 Euro und 30 Tage Führerscheinentzug.
Auch in den Niederlanden, Norwegen, Italien, Spanien und Dänemark können Handyverstöße sehr teuer werden. Wer im Ausland sicher unterwegs sein will, nutzt eine Freisprecheinrichtung, richtet Navigation und Musik vor Fahrtbeginn ein und lässt das Smartphone während der Fahrt konsequent liegen.
Quellen und Stand
- ADAC: Handy am Steuer – Bußgelder und Strafen 2026
- ADAC: Griechenland erhöht Strafen für Handy- und Tempoverstöße
- ÖAMTC: Das kosten Verkehrssünden im Ausland 2026
- Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), § 23 Abs. 1a
- Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV)
Stand: April 2026
Alle Angaben ohne Gewähr. Die Informationen ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall. Vor einer Auslandsreise sollten die aktuell geltenden Verkehrsregeln des jeweiligen Landes geprüft werden.
