Lange galt das Nachladen als größter Schwachpunkt des Elektroautos. Gerade auf Reisen schien der Verbrenner klar im Vorteil: kurz anhalten, tanken, bezahlen, weiterfahren. Doch genau an diesem Bild hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Moderne Elektroautos laden an leistungsstarken Schnellladesäulen heute so schnell nach, dass der Zeitunterschied zum klassischen Tankstopp deutlich kleiner geworden ist. In manchen Konstellationen wirkt das Laden im Reisealltag inzwischen sogar überraschend nah am Tanken.
Der Vergleich mit dem Tanken greift oft zu kurz
Wer Benzin oder Diesel tankt, denkt meist nur an den eigentlichen Zapfvorgang. In der Praxis endet der Stopp aber nicht mit dem Einhängen der Zapfpistole. Danach folgt oft noch der Gang zur Kasse, manchmal mit Wartezeit, wenn vor einem noch andere Kunden bezahlen oder im Shop einkaufen. Genau dieser Teil wird im direkten Vergleich mit dem Laden häufig ausgeblendet. Beim E-Auto läuft der Vorgang an modernen Schnellladern dagegen oft weitgehend automatisiert ab, vor allem wenn Plug & Charge genutzt wird. Dann wird angeschlossen, geladen und später wieder abgesteckt, ohne dass noch ein klassischer Kassiervorgang nötig ist.
Auch das Bezahlen kostet Zeit
Gerade dieser Punkt verändert die Wahrnehmung stark. Ein reiner Tankvorgang dauert zwar häufig nur wenige Minuten, der gesamte Tankstellenstopp kann aber durch das Bezahlen deutlich länger werden. Wenn mehrere Kunden vor einem stehen, schrumpft der Zeitvorteil des Verbrenners im Alltag spürbar. Genau darauf verweist auch ein aktueller Test des Mercedes CLA 350 EQ: Dort wird die These aufgestellt, dass dieses Auto auf vielen Strecken schneller lade, als man tanke, weil beim Tanken zusätzliche Minuten fürs Bezahlen anfallen, während Plug & Charge den Ablauf deutlich verkürzt.
Schnellladen hat das Spiel verändert
Der eigentliche Fortschritt liegt nicht nur in höheren Maximalwerten, sondern in einer insgesamt besseren Ladeperformance. Entscheidend ist vor allem die Ladekurve. Ein E-Auto ist also nicht automatisch schnell, nur weil auf dem Datenblatt ein hoher kW-Wert steht. Wichtig ist, wie lange das Fahrzeug eine hohe Ladeleistung tatsächlich halten kann und in welchem Ladefenster es besonders effizient nachlädt. Genau deshalb konzentrieren sich Fahrer auf Langstrecken meist auf den Bereich von 10 bis 80 Prozent.
Warum moderne E-Autos auf Reisen immer schneller wirken
Auf der Langstrecke wird heute anders geladen als früher gedacht. Statt den Akku jedes Mal möglichst voll zu machen, wird oft nur so weit nachgeladen, wie es für den nächsten Abschnitt sinnvoll ist. Das spart Zeit und nutzt die starke Ladephase im unteren bis mittleren Ladebereich besser aus. Dadurch wirkt die Pause nicht mehr wie ein langer Zwangsaufenthalt, sondern eher wie ein kurzer Halt, der ohnehin ins Reiseprofil passt. Moderne Schnelllader und immer bessere Routenplanung haben diesen Effekt zusätzlich verstärkt.
Auch aktuelle Tests zeigen, wie nah Laden dem Tanken kommt
Wie weit die Entwicklung inzwischen ist, zeigt der Mercedes CLA besonders deutlich. Mercedes nennt für den CLA 250+ mit EQ Technology eine WLTP-Reichweite von bis zu 777 Kilometern, dazu 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent, bis zu 320 kW DC-Ladeleistung und 285 bis 325 Kilometer WLTP-Reichweite nach zehn Minuten Nachladen. Im erwähnten Test des Mercedes CLA 350 EQ ist sogar von typischen Ladestopps von nur fünf Minuten die Rede. Genau solche Werte verschieben die Debatte: Laden wirkt dann nicht mehr wie Warten, sondern wie eine kurze, sinnvolle Pause.
Fünf E-Autos, die besonders schnell auf 80 Prozent laden und dabei viel Reichweite bieten
Entscheidend ist nicht nur, wie schnell ein Modell auf 80 Prozent kommt. Wichtig ist auch, was danach an Reichweite zur Verfügung steht. Genau in dieser Kombination stechen derzeit einige Modelle besonders hervor.

Zeekr 7X
Der Zeekr 7X gehört zu den stärksten Beispielen. Das Modell kommt auf bis zu 615 Kilometer Reichweite. Gleichzeitig wird ein Ladefenster von 10 auf 80 Prozent in 13 Minuten genannt. Damit zählt der 7X klar zu den schnellsten und zugleich reichweitenstarken Elektro-SUVs auf dem Markt.
Zeekr 7GT
Auch der Zeekr 7GT ist ein sehr starker Kandidat. Er bietet bis zu 655 Kilometer Reichweite und soll je nach Version in 13 bis 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. Zusätzlich werden rund 340 Kilometer zusätzliche Reichweite in zehn Minuten genannt. Damit ist der 7GT eines der aktuell eindrucksvollsten Beispiele dafür, wie stark chinesische Modelle beim Schnellladen inzwischen geworden sind.
Lotus Emeya
Der Lotus Emeya bleibt ebenfalls ganz vorne dabei. Das Fahrzeug soll mehr als 150 Kilometer zusätzliche Reichweite in fünf Minuten schaffen, 10 bis 80 Prozent in 14 Minuten und insgesamt auf bis zu 580 Kilometer WLTP-Reichweite kommen. Damit verbindet der Emeya sehr kurze Ladezeiten mit echter Langstreckentauglichkeit.
Porsche Taycan
Der Porsche Taycan ist weiterhin ein Maßstab im Premiumsegment. Für das überarbeitete Modell werden bis zu 678 Kilometer WLTP-Reichweite und eine Ladezeit von 10 auf 80 Prozent in 18 Minuten genannt. Der Taycan ist damit nicht der absolute Ladezeit-König, kombiniert aber eine sehr hohe Reichweite mit starker und stabiler Schnellladeleistung.
Mercedes-Benz CLA 250+ mit EQ Technology
Der Mercedes muss in dieser Liste ebenfalls stehen, weil er für die Hauptthese des Artikels besonders wichtig ist. Mit bis zu rund 777 Kilometern WLTP-Reichweite, 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent und bis zu 325 Kilometern zusätzlicher Reichweite in zehn Minuten ist er zwar nicht der schnellste bis 80 Prozent, aber einer der interessantesten Langstrecken-Stromer überhaupt. Gerade die Kombination aus hoher Effizienz, großer Reichweite und sehr kurzer Nachladepause macht ihn so bemerkenswert.
Ganz geschlagen ist der Benzintank noch nicht
Trotz aller Fortschritte wäre es überzogen zu behaupten, dass jedes E-Auto heute schon schneller lädt, als ein Verbrenner tankt. Nicht alle Modelle erreichen solche Werte, und nicht jede Schnellladesäule liefert im Alltag die theoretisch mögliche Leistung. Temperatur, Akkustand, Batterievorkonditionierung und Auslastung der Ladeinfrastruktur spielen weiterhin eine große Rolle. Gerade bei älteren oder günstigeren Modellen bleibt der Unterschied zum klassischen Tankstopp noch spürbar. Topmodelle zeigen aber bereits sehr klar, wohin die Entwicklung geht.
Der nächste Entwicklungsschritt ist schon sichtbar
Dass die Entwicklung noch lange nicht am Ende ist, zeigt BYD. Das Unternehmen stellte 2025 seine Super e-Platform vor und spricht dort von bis zu 1 Megawatt Ladeleistung. Genannt werden fünf Minuten Ladezeit für 400 Kilometer Reichweite. Noch ist das nicht der breite Alltag in Europa, aber die Richtung ist eindeutig: Das Ziel ist längst nicht mehr nur schneller zu laden als früher, sondern Laden auf ein Niveau zu bringen, das sich beim Zeitbedarf kaum noch vom Tanken unterscheiden soll.
Was das für Autofahrer bedeutet
Für Autofahrer verändert sich die Frage damit grundlegend. Es geht immer weniger darum, ob Elektromobilität grundsätzlich zu langsam ist. Wichtiger wird, welches Auto mit welcher Infrastruktur wie gut harmoniert. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz lädt, spart sich den Tankstopp im Alltag ohnehin oft komplett. Auf der Langstrecke entscheidet dann die Kombination aus Fahrzeug, Ladeleistung, Ladekurve und Routenplanung. Und genau dort holen moderne E-Autos immer stärker auf. Der alte Standardsatz, dass Laden grundsätzlich viel länger dauere als Tanken, stimmt so pauschal immer weniger.
Zusammenfassend - einfach erklärt
E-Autos laden heute noch nicht in jedem Fall schneller als Benziner oder Diesel tanken. Aber der Abstand ist deutlich kleiner geworden. Moderne Modelle wie Zeekr 7X, Zeekr 7GT, Lotus Emeya, Porsche Taycan oder Mercedes CLA zeigen, wie schnell Elektromobilität inzwischen geworden ist. Rechnet man beim Verbrenner den gesamten Stopp inklusive Bezahlen mit ein, wirkt der Vorsprung des Tankens oft deutlich kleiner als früher. In einzelnen Szenarien ist die provokante These deshalb nicht mehr unrealistisch: Laden kann sich heute bereits so schnell anfühlen, dass der klassische Tankvorgang seinen alten Zeitvorteil verliert.
Quellen
- Heise, Mercedes CLA 350 EQ im Test
- Mercedes-Benz, technische Daten CLA mit EQ Technology
- ADAC, Schnellladen und Ladekurve
- Porsche, Taycan Reichweite und Laden
- Zeekr, Modellseiten 7X und 7GT
- Lotus, Emeya
- BYD, Super e-Platform
