Die Preise an deutschen Tankstellen kennen derzeit vielerorts nur eine Richtung: nach oben. Benzin kostet regional bereits deutlich über zwei Euro pro Liter, Diesel kratzt mancherorts sogar an deutlich höheren Marken. Für viele Autofahrer wird jeder Tankstopp damit spürbar teurer – und genau das sorgt aktuell für neue Diskussionen zwischen Verbrenner- und Elektrofahrern.
Denn während klassische Benziner und Diesel bei jedem Literpreis-Anstieg direkt teurer werden, sehen viele Besitzer eines Elektroautos der Entwicklung vergleichsweise gelassen entgegen. Doch wie groß ist der Kostenvorteil im Alltag wirklich? Ein Blick auf reale Verbrauchswerte und verschiedene Ladeszenarien zeigt, warum viele Stromer-Fahrer derzeit tatsächlich entspannt bleiben.
Was Verbrenner aktuell kosten
Ein durchschnittlicher Benziner mit rund sieben Litern Verbrauch verursacht bei einem Spritpreis von 2,25 Euro bereits Kraftstoffkosten von etwa 15,75 Euro pro 100 Kilometer. Ein größerer SUV oder ein sportlicheres Modell liegt schnell noch darüber.
Bei Diesel-Fahrzeugen mit sechs Litern Verbrauch und einem Preis von 2,40 Euro entstehen immer noch rund 14,40 Euro pro 100 Kilometer. Gerade Vielfahrer spüren diese Summen Monat für Monat deutlich.
So günstig fahren Elektroautos wirklich
Wie viel ein Elektroauto kostet, hängt stark davon ab, wo geladen wird. Wer zuhause lädt, fährt meist deutlich günstiger. Wer zusätzlich eine eigene Solaranlage besitzt und Überschussstrom nutzt, kann die reinen Energiekosten rechnerisch sogar auf null drücken. An öffentlichen Ladesäulen und vor allem am Schnelllader schrumpft dieser Vorteil dagegen spürbar.
Die folgende Übersicht zeigt sechs aktuelle Elektroautos aus kleinen, mittleren und großen Fahrzeugklassen. Grundlage sind Verbrauchswerte aus ADAC-Tests. Alle Kosten in der Tabelle beziehen sich auf 100 gefahrene Kilometer.
Stromkosten-Vergleich: Elektroautos im Kostencheck
Annahmen für die Berechnung:
Heimladen vom Netz: 0,30 Euro/kWh
Eigene Solaranlage: 0,00 Euro/kWh
Öffentliche AC-Ladesäule: 0,49 Euro/kWh
Schnellladesäule / HPC: 0,69 Euro/kWh
| Fahrzeug | Klasse | Verbrauch (kWh/100 km) | Heimladen Netz | Eigene PV | Öffentliche Säule | Schnelllader HPC |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Dacia Spring 26,8 kWh Batterie | Kleinwagen | 16,7 | 5,01 € | 0,00 € | 8,18 € | 11,52 € |
| Hyundai Inster 49,0 kWh Batterie | Kleinwagen | 15,0 | 4,50 € | 0,00 € | 7,35 € | 10,35 € |
| VW ID.3 Pro 58,0 kWh Batterie | Kompaktklasse | 16,5 | 4,95 € | 0,00 € | 8,09 € | 11,39 € |
| Tesla Model 3 Long Range 75,0 kWh Batterie | Mittelklasse | 17,0 | 5,10 € | 0,00 € | 8,33 € | 11,73 € |
| Tesla Model Y Long Range 75,0 kWh Batterie | SUV / Mittelklasse | 18,5 | 5,55 € | 0,00 € | 9,07 € | 12,77 € |
| Audi Q8 e-tron 55 106,0 kWh Batterie | Oberklasse SUV | 24,0 | 7,20 € | 0,00 € | 11,76 € | 16,56 € |
Hinweis: Für die Spalte „Eigene PV“ wird angenommen, dass bereits eine Solaranlage vorhanden ist und mit überschüssigem Eigenstrom geladen wird. Anschaffungs- und Betriebskosten der Solaranlage werden in dieser Betrachtung nicht eingerechnet.
Steuerfrei unterwegs: Auch der Staat entlastet E-Fahrer
Neben den geringeren Energiekosten profitieren Fahrer reiner Elektroautos zusätzlich von der Kfz-Steuerbefreiung. Für viele Fahrzeuge bedeutet das über Jahre hinweg nochmals eine spürbare Entlastung. Gerade bei längerer Haltedauer verbessert das die Gesamtrechnung zusätzlich.
THG-Prämie bringt jedes Jahr einen Extra-Bonus
Hinzu kommt die THG-Quote. Wer ein reines Elektroauto besitzt, kann die eingesparten CO₂-Mengen über spezialisierte Anbieter vermarkten. Dadurch ist je nach Marktlage eine jährliche Auszahlung möglich. Auch dieser Punkt wird bei Vergleichen zwischen Verbrenner und Elektroauto oft unterschätzt.
Kaufprämie 2026 senkt die Einstiegskosten
Auch beim Kauf gibt es wieder Unterstützung. 2026 ist laut aktueller Förderregelung erneut eine staatliche Kaufprämie vorgesehen. Je nach Einkommen, Haushaltsgröße und Fahrzeugtyp sind Zuschüsse möglich. Das hilft dabei, den oft noch höheren Anschaffungspreis vieler Elektroautos zumindest teilweise abzufedern.
Selbst große Elektroautos oft günstiger als Verbrenner
Spannend ist vor allem der Blick auf die größeren Modelle. Selbst ein großes Elektro-SUV wie der Audi Q8 e-tron fährt beim Heimladen häufig noch günstiger als viele klassische Benziner oder Diesel im Alltag. Damit wird klar: Nicht nur kleine Stromer profitieren vom Preisvorteil an der heimischen Wallbox.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei Fahrzeughaltern mit eigener Photovoltaikanlage. Wer tagsüber lädt oder überschüssigen Solarstrom nutzt, fährt im Idealfall extrem günstig. Genau das ist einer der Gründe, warum viele E-Fahrer steigenden Spritpreisen inzwischen bemerkenswert entspannt begegnen.
Aber: Nicht jeder E-Fahrer spart automatisch
Ganz so einfach ist die Rechnung trotzdem nicht. Wer regelmäßig an Schnellladesäulen lädt, zahlt deutlich mehr als beim Laden zuhause. Dadurch schrumpft der Kostenvorteil gegenüber sparsamen Verbrennern teils merklich. Außerdem bleiben Anschaffungskosten, Versicherung, Wertverlust und individuelle Nutzung wichtige Faktoren in der Gesamtbetrachtung.
Dennoch zeigt die aktuelle Entwicklung sehr deutlich: Wer ein Elektroauto zuhause laden kann, fährt in vielen Fällen schon heute erheblich günstiger. Und genau deshalb fällt das „müde Lächeln“ vieler E-Fahrer an der Zapfsäule derzeit nicht ganz ohne Grund aus.
