Berlin, 26. Juli 2026. Das Digitalradio-Büro Deutschland hat einen Überblick zum Stand von DAB+ in Europa vorgelegt. Die Übersicht zeigt: In vielen Ländern wächst das digitale Radioangebot weiter, in anderen stehen erst Testnetze oder regionale Starts auf dem Plan. Für Autofahrer und Hörer bleibt damit vor allem relevant, wie schnell sich DAB+ als terrestrischer Standard etabliert und wo UKW bereits unter Druck gerät.
Kurz zusammengefasst:
DAB+ breitet sich in Europa weiter aus. Die Übersicht nennt 31 Länder mit DAB- oder DAB+-Verbreitung. In mehreren Staaten laufen bereits nationale oder regionale Netze im Regelbetrieb, andere befinden sich noch im Testbetrieb. Für Neuwagen ist DAB+ in der Regel Standard, in einigen Ländern wird zudem der UKW-Ausstieg vorbereitet.
DAB+ gewinnt europaweit an Bedeutung
Die Übersicht des Digitalradio-Büros Deutschland macht vor allem eines deutlich: DAB+ ist in Europa längst kein Nischenthema mehr. In 31 europäischen Ländern wird Radio inzwischen über DAB oder DAB+ verbreitet, in weiteren Staaten laufen Tests oder es wird der Start des Regelbetriebs vorbereitet. Damit entwickelt sich der digitale Rundfunk in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, aber mit klarer Tendenz in Richtung terrestrisches Digitalradio. Für Hörer bedeutet das in vielen Fällen mehr Programmauswahl und einen stabileren digitalen Empfang ohne Internetkosten.
Technisch setzt DAB+ auf gebündelte Programmpakete, sogenannte Multiplexe oder kurz Mux. Auf einer Frequenz können mehrere Sender gemeinsam ausgestrahlt werden. Nach Angaben der Branche ist das gegenüber UKW deutlich effizienter beim Energie- und Ressourceneinsatz. Gerade im Auto spielt der Standard inzwischen eine wachsende Rolle, weil DAB+ in Neuwagen gesetzlich vorgeschrieben ist und vielerorts den klassischen Empfang ergänzt oder bereits ersetzt.
Unterschiedlicher Ausbau je nach Land
Wie weit der Ausbau fortgeschritten ist, unterscheidet sich in Europa deutlich. In Ländern wie Dänemark, den Niederlanden, Norwegen, der Schweiz oder Malta ist DAB+ schon sehr breit verfügbar, teils mit nahezu flächendeckender Versorgung und einer großen Zahl an Programmen. In anderen Staaten, etwa Bosnien-Herzegowina, der Slowakei, Serbien oder der Türkei, befindet sich der Markt noch in einer frühen Phase mit Testbetrieb oder regional begrenzten Netzen. Frankreich gilt wiederum als ein Beispiel für besonders dynamischen Netzausbau, während Spanien und Griechenland ihre Digitalradio-Strukturen erst schrittweise ausbauen.
Unterm Strich zeigt sich damit ein sehr heterogenes Bild, in dem einzelne Märkte schon weit in Richtung Digitalradio umgestellt haben, während andere noch am Anfang stehen. Auffällig ist, dass DAB+ vielerorts nicht nur zusätzliche Programme ermöglicht, sondern auch neue Angebotsstrukturen schafft. In mehreren Ländern sind inzwischen Sender zu hören, die es über UKW gar nicht gibt. Das betrifft etwa spezielle Spartenprogramme, regionale Angebote oder Plattformen für lokale Anbieter. Gerade in dicht besiedelten Regionen und entlang wichtiger Verkehrsachsen wird Digitalradio damit zu einem Instrument, um die Programmvielfalt zu vergrößern und die Verbreitungskosten zu senken.
Beispiele von den Märkten in Europa
Belgien ist fast flächendeckend versorgt, wobei sich die Angebote auf Flandern, Wallonie und Brüssel verteilen. In der deutschsprachigen Gemeinschaft wurde ein Pilotprojekt verlängert, das mehrere Programme in Ostbelgien versorgt. Frankreich meldet weiter steigende Reichweiten und hat mit zwei nationalen Plattformen und zahlreichen regionalen Multiplexen eine breite Struktur aufgebaut. Auch in Großbritannien ist Digitalradio längst Alltag: Dort erfolgt inzwischen der Großteil der Radionutzung digital, und im Auto spielt DAB+ eine große Rolle. Zusätzlich wächst dort vor allem die lokale Versorgung über sogenannte Small-Scale-Multiplexe.
In Italien erreicht DAB+ fast 90 Prozent der Bevölkerung, in Österreich wurden neben den bundesweiten Plattformen auch regionale Netze aufgebaut. Schweden hat den Ausbau 2026 deutlich vorangetrieben, während Tschechien bereits eine hohe Versorgung erreicht und das digitale Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wie auch privater Anbieter stark ausgebaut hat. Die Schweiz wiederum ist nach Angaben der Quelle inzwischen der Markt, in dem DAB+ den meistgehörten Hörfunk-Verbreitungsweg darstellt.
Marktstart, Versorgung und offene Punkte
Für Leser in Deutschland ist die Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil sie zeigt, wohin sich der europäische Radiomarkt bewegt. Je mehr Länder DAB+ ausbauen, desto stärker wird der Standard auch bei Fahrzeugen, Geräten und grenzüberschreitendem Empfang. Gerade in Regionen nahe der Nachbarländer ist das schon heute spürbar, etwa wenn Programme aus Frankreich, Luxemburg, der Schweiz oder Österreich empfangen werden können. Das ist insbesondere für Pendler und Vielfahrer interessant, die regelmäßig über Landesgrenzen hinweg unterwegs sind und auf stabile Empfangswege angewiesen sind.
Offen bleibt in vielen Ländern weiterhin, wie schnell sich der Regelbetrieb in flächendeckende Versorgung und wirtschaftlich stabile Angebotsmodelle übersetzt. In mehreren Staaten fehlen noch genaue Angaben zu Marktstart, Reichweite oder einem möglichen UKW-Enddatum. Andere Länder, etwa die Wallonie in Belgien oder Spanien, prüfen bereits weitergehende Schritte in Richtung einer stärkeren Digitalradio-Strategie. Der Überblick zeigt damit weniger einen einheitlichen europäischen Kurs als vielmehr eine Branche im Übergang, in der DAB+ je nach Markt vom Testlauf bis zum Standardempfang reicht. Gleichzeitig bleibt erkennbar, dass der Druck auf das analoge UKW-System in immer mehr Märkten zunimmt.
Einordnung für Autofahrer und Hörer
Für Autofahrer ist DAB+ inzwischen vor allem aus praktischer Sicht wichtig. Der Empfang ist im Idealfall stabiler als bei UKW, weil Sender gebündelt ausgestrahlt werden und nicht an einzelne Frequenzen gebunden sind. Im Fahrzeug kommt hinzu, dass viele Neuwagen DAB+ bereits serienmäßig an Bord haben. Für Nutzer mit Pendel- oder Langstreckenprofil ist außerdem interessant, dass mehrere Länder ihre Netze gezielt entlang von Autobahnen und wichtigen Verkehrsachsen ausbauen. Dadurch wird der Standard besonders dort attraktiv, wo herkömmlicher UKW-Empfang häufig an Grenzen stößt oder zwischen einzelnen Sendern umgeschaltet werden muss.
Für den Radiomarkt ist der Überblick ein Hinweis darauf, dass sich die terrestrische Verbreitung in Europa weiter modernisiert. DAB+ ersetzt UKW nicht überall sofort, wird aber in immer mehr Ländern zum zentralen Baustein der Radioverbreitung. Besonders dort, wo UKW-Frequenzen knapp werden oder neue Programme entstehen sollen, verschafft der Digitalstandard zusätzliche Spielräume. Der Wandel bleibt dabei unterschiedlich schnell, ist aber in vielen Märkten kaum noch aufzuhalten. Damit steigt auch die Bedeutung eines einheitlichen Standards für Geräte, Fahrzeuge und die grenzüberschreitende Nutzung im Alltag.
