Bremsen selber bördeln: Schritt-für Schritt-Anleitung

Bremsen bördeln!

Im Winter ist es wieder soweit: Gegen den Unterboden spritzendes Tauwasser mit Streusalz greift Fahrwerk und Bremsleitung an. Die Folge ist starke Korrosion. Wer sich mit Fahrzeugen auskennt, findet im Fachhandel passende Werkzeuge und Einbauteile. Mit diesen kann er sich seine Bremsleitung selbst bördeln und einbauen. Nichtprofis sollten ihr Arbeitsergebnis aber von einem Fachmann überprüfen lassen. Denn Bremsen gehören zu den Komponenten, die die Fahrsicherheit gewährleisten.

 

Korrodierte Bremsleitungen ersetzen

Beim Austausch Ihrer unbrauchbar gewordenen Bremsleitung haben Sie zwei Möglichkeiten. Sie

  • kaufen eine bereits gebördelte Leitung mit Zubehör
  • bördeln sich Ihre Bremsleitung selbst

Soll es schneller gehen, kommt für Sie nur die zuerst genannte Lösung infrage. Sie kaufen im Kfz-Zubehörshop eine bereits vorgebogene Bremsleitung mit den dazu passenden Nippeln und Muttern. Als Kfz-Profi können Sie ihre korrodierten Bremsleitungen natürlich durch selbst gebördelte Leitungen ersetzen. Dazu benötigen Sie:

  • ein Bördelgerät
  • einen kleinen Rohrschneider
  • ein Biegeknochen
  • einen kleinen Rohrentgrater
  • einen geschlitzten Ringschlüssel zum Entfernen der Verschraubungen
  • eine Bremsleitung
  • Gewindenippel (Überwurfschrauben)
  • Überwurfmuttern

 

Was Sie beim Kauf unbedingt beachten sollten

Nur mit einem hochwertigen Bördelgerät hat Ihre Bremsleitung später die erforderliche Dichtigkeit. Bei diesem haben Sie die Wahl zwischen einem stationären und einem mobilen Modell. Profi-Bördelgeräte werden in einen Schraubstock gesteckt und sind für den häufigen Gebrauch bestimmt. Erkundigen Sie sich zuvor, welche Bördel Sie damit erzeugen können. Und welche zusätzlichen Spannbacken und Druckstücke Sie für weitere Bördelformen brauchen.

Mobile Bördelgeräte sind eine gute Wahl, wenn Sie das Werkzeug nur gelegentlich benutzen. Die leichten Handbördelgeräte können sogar unter dem Auto eingesetzt werden. Und erfordern dank ihrer Hydraulikspindel nur wenig Kraftaufwand. Beachten Sie beim Ausmessen Ihrer alten Bremsleitung bitte Folgendes: Für den Bördel an jedem Leitungsende müssen Sie ungefähr 5 mm einkalkulieren.

Verwenden Sie aber nur zugelassene Bremsleitungen. Diese haben mehrere Stempel, in denen die Legierung genannt wird (Stahl oder Cunifer). Außerdem sind sie von einer Kunststoffschicht umgeben. Das ebenfalls rostfreie Cunifer lässt sich besonders leicht verarbeiten.

 

Bremsleitung bördeln: So geht's

Sie schneiden die Bremsleitung mit einem Rohrschneider gerade ab. Danach müssen Sie Ihre Bremsleitung noch entgraten. Verwenden Sie Ihren Entgrater so, dass seine Seiten jeweils passend zur Rohrinnenseite oder Außenseite zeigen. Biegen Sie Ihre Bremsleitung, bis Sie zwischen Biegung und Nippel mindestens 10 cm Abstand erhalten. Denn sonst können Sie das Gewinde nicht aufstecken. Und Ihre Leitung nicht richtig einklemmen.

Für die richtige Biegung nehmen Sie am besten Ihre alte Bremsleitung als Vorlage. Und üben Sie das Biegen und Bördeln zuerst mit einem dicken Schweißdraht. Übrigens: Ein Biegeknochen erleichtert Ihnen diese Arbeit und ermöglicht präzisere Biegungen. Achten Sie aber darauf, dass der Biegeradius mindestens das Dreifache des Leitungsdurchmessers beträgt. Sonst riskieren Sie ein Abknicken der Leitung und eine Verengung des Rohrquerschnitts. Oder der Kunststoffmantel Ihrer Stahlleitung platzt auf.

Anschließend bringen Sie den Nippel an. Danach geht es ans Bördeln. Stellen Sie Ihr Bördelgerät so ein, dass der Klotzdurchmesser zu dem Ihrer neuen Bremsleitung passt. Das sind in der Regel 4,75 mm. Stecken Sie die Leitung bis zur Markierung in Ihr Bördelgerät. Oder verwenden Sie dafür den einschraubbaren Anschlag. Dann spannen Sie die Leitung mithilfe des Hebels fest ein.

Pressen Sie das gefettete Druckstück bis zum Anschlag hinein. Und bearbeiten Sie Ihr Teilstück so, dass der Bördel gleichmäßig umläuft. Die Einspannung darf weder zu kurz noch zu lang sein. Denn sonst können beispielsweise Materialstauchungen an beiden Bördelenden entstehen. Achten Sie vor dem Bördeln bitte darauf, dass Ihre Bremsleitung 100-prozentig sauber und fettfrei ist. Sonst erhalten Sie einen zu flachen Bördel oder Ihre Leitung wird aus der Führung gedrückt.

Anschließend lösen Sie das Druckstück vom Anschlag. Und entfernen die gebördelte Leitung aus ihrer Fixierung. Danach untersuchen Sie bitte den Bördel auf mögliche Fettreste. Denn mitunter überträgt das Druckstück Fettpartikel. Diese müssen aus Sicherheitsgründen vor dem Einbau der Leitung abgewischt werden. Danach können Sie Ihre fertige Bremsleitung einbauen und Bremsflüssigkeit einfüllen.

Nach dem Entlüften zeigt Ihnen ein Dichtigkeitstest, ob Sie alles richtig gemacht haben. Dafür muss eine im Pkw sitzende Person mehrmals hintereinander einige Sekunden das Bremspedal kräftig durchtreten. Sie selbst beobachten unter dem Pkw liegend, ob die Verschraubung dicht bleibt. Und machen danach am besten eine langsame Probefahrt. Dadurch erfahren Sie, ob Sie Ihr Fahrzeug wieder sicher bremsen können.

 

Worauf Sie beim Bördeln noch achten sollten

Achten Sie beim Bördeln unbedingt auf Sauberkeit. Schmutz auf dem Bördel oder in den Anschlüssen beschädigt Bördel und Dichtungen. Und verursacht außerdem undichte Bremsleitungen. Setzen Sie Ihren Rohrschneider so an, dass die Schnitte genau senkrecht verlaufen. Nehmen Sie aber bitte keine Bügelsäge. Denn diese erzeugt ungerade Schnitte und schiefe Bördel.

Ebenfalls wichtig ist die zu Ihrem Fahrzeugtyp passende Bördelform. In Deutschland und europaweit bördelt man meist nach DIN-F. Diese Bördel passen auch gut zu Verschraubungen mit SAE-F-Bördeln. Japanische und US-amerikanische Automarken haben meist E-Bördel, ältere Fabrikate britischer Hersteller SAE-F-Bördel. Sind Sie sich bezüglich der passenden Bördelform nicht sicher, schauen Sie in der Herstellerbeschreibung nach.

Benötigen Sie einen E-Bördel, müssen Sie zuvor einen SAE-F-Bördel herstellen. Danach stecken Sie den E-Bördel in den SAE-F-Bördel. Natürlich müssen auch die Nippel zum Bördel passen. In europäischen Pkws sind oft metrische M10x1 Gewinde verbaut. ABS-Geräte werden mit M12-Nippeln, alte Volvos und US-amerikanische Modelle mit UNF 3/8-24-Gewinden kombiniert.

Achten Sie außerdem darauf, ob die Nippel eine Führung (fehlende Gewindegänge) haben müssen. In europäischen Fahrzeugen werden meist M10x1 Nippel mit Führung hinten verwendet. Unpassende Gewinde können Ihre Bördel beschädigen und Bremsflüssigkeit austreten lassen. Halten Sie bei Ihren Verschraubungen bitte auch die Drehmomente ein. Denn ziehen Sie Ihren Bördel zu fest an, ruinieren Sie sich möglicherweise das Gewinde.

Erneuern Sie bitte zusätzlich die an der Karosserie befindlichen Halteklammern. Und verwenden Sie am besten auch neue Schläuche. Und verbauen Sie Ihre Leitungen so, dass sie der Karosserie nicht zu nahe kommen. Kleineren Schäden an der Kunststoffbeschichtung beugen Sie vor, indem Sie die Halter innen leicht einfetten. Sie entstehen oft beim Hineindrücken der ummantelten Stahlleitung in die Rohrführung.

Auch beim Entlüften sind einige wichtige Details zu beachten. Grundsätzlich gilt: Maßgebend sind die Vorgaben des Fahrzeugherstellers.

 

Tutorial Youtube: Bremsleitung kürzen, bördeln, biegen:

 

Foto © by VitalikRadko/Shotshop.com

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