Kommentar: Das Handy – Tod aller Notrufsäulen?

Die Notrufsäule stirbt aus

Festzulegen auf ein prozentuales Verhältnis braucht man sich gar nicht, darf doch davon ausgegangen werden, dass mittlerweile die meisten Auto- und Motorradfahrer ein Handy dabeihaben. Bei Bedarf lässt sich also von jedem x-beliebigen Punkt der Reiseroute aus medizinische oder technische Hilfe anfordern. Allerdings sind übers Handy gemachte Angaben zum Standort häufig unpräzis, weil es den Anrufern an Ortskenntnis mangelt. Dem Handy überlegen erweisen sich jene Notruftasten in Pkws, über die spontan Kontakt mit den Servicezentren der jeweiligen Automarke aufgenommen werden kann. Über GPS wird gleichzeitig automatisch der genaue Standort des Fahrzeugs angegeben, sodass die Rettungsdienste sofort im Bild sind, wie der Einsatzort am schnellsten zu erreichen ist. Ab 2014 soll es in allen Neufahrzeugen, die in der EU zugelassen werden, ein solches automatisches Notrufsystem geben.

Von Kraftfahrern unbemerkt blieb, dass das Gros der einst rund 7.000 Notruftelefone der Björn Steiger Stiftung an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen inzwischen abgebaut wurde. Mitte vergangenen Jahres sollen nur noch etwa 2.000 in Betrieb gewesen sein. Der schrittweise Abbau dieser Telefone wird damit begründet, dass die Kosten für Wartung und Telefongebühren zu hoch seien und diese Einrichtung, die es seit 1971 in der Bundesrepublik gibt, von den Mobiltelefonen ins Abseits gedrängt wird.

Heutige „Handykonkurrenz“ führt aber nicht dazu, dass das Schicksal der Notruftelefone der Björn Steiger Stiftung auch die rund 16.000 Notrufsäulen entlang der deutschen Autobahnen ereilt. Die gelben Säulen, seit einiger Zeit in Regie der Dienstleistungs GmbH des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherer (GDV), werden auch im Handy-Zeitalter unerwartet oft in Anspruch genommen. Täglich gehen alle 6,5 Minuten Hilferufe über die Autobahn-Notrufsäulen bei der Notrufzentrale der deutschen Versicherer in Hamburg ein. 2011 entfielen auf jeden Autobahnkilometer in Deutschland gut sechs Notrufe.

Es gibt eine ungekrönte Königin unter den deutschen Autobahn-Notrufsäulen. Die am häufigsten benutzte Säule mit der Nummer 6.827 steht im Brandenburgischen an der A 13 bei Kilometer 61,13 kurz vor der Ausfahrt Lübbenau in Richtung Dresden/Cottbus. Binnen eines Jahres übermittelte sie nicht weniger als 359 Notrufe an die Hamburger Notrufzentrale.

Ganz offensichtlich erweist sich das Handy nicht als Konkurrent von Autobahn-Notrufsäulen. Das mag allein damit zu erklären sein, dass sich mit dem Handy am Ohr trotz aller Aufgeregtheit wohl die betreffende Notsituation schildern lässt, in fremder Umgebung aber präzise Ortsangaben eher nicht zu erwarten sind. Die aber sind für wirklich schnelle Hilfe unverzichtbar. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)(Foto: Björn Steiger Stiftung/Auto-Reporter.NET)


 

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