Kommentar: Segen und Fluch automobiler GroßfamilienEigentlich müsste die geplatzte „Hochzeit im Himmel“ von Daimler und Chrysler anhaltende Warnung sein.

Doch munter geht es weiter mit Weichenstellungen in der Autobranche, die zu markenübergreifenden Allianzen führen. Mancher Beobachter hält das Geschehen für abenteuerlich; befürchtet werden unabsehbaren Folgen. Aufzuhalten scheint der Gang der Dinge wohl nicht mehr. Immer neue Partner, die sich suchen und finden, geben zu verstehen, dass sie auf partielle Zusammenarbeit setzen, um im Wettbewerb besser oder überhaupt bestehen zu können. Beispiele mehren sich. Länger bestehende Allianzen werden öffentlich kaum mehr wahrgenommen.

Dabei gibt es sie reichlich. Seit Jahren betreiben Citroën, Peugeot und Toyota im tschechischen Kolin gemeinsam ein Automobilwerk, in dem technisch völlig identische Kleinwagen vom Band laufen, die sich nur beim Design und Markenzeichen unterscheiden. Das Andocken von Chrysler bei Fiat bescherte als erste „Adoptivkinder“ einen Lancia Voyager und einen Lancia Thema mit Chrysler-Genen. BMW hält Kontakt mit Toyota, um zum beiderseitigen Vorteil das Tauschgeschäft „Dieselkompetenz gegen alternative Antriebstechnik“ voranzubringen. Undenkbar wäre früher gewesen, dass ausgerechnet BMW mit seiner weltweit anerkannten Motorenkompetenz vom französischen PSA-Konzern Motoren für den MINI bezieht.


Wieder brachten Schlagzeilen neue Unruhe in die internationale Autobranche. Seitdem bekannt wurde, dass der PSA-Konzern, dem es derzeit nicht gut geht, Kooperationen und Allianzen prüfe, kamen als mögliche Partner sofort General Motors und Opel ins Spiel. Die kursierende Nachricht ist jetzt bestätigt. Nachdem das Gerücht die Aktienkurse des französischen Autokonzerns noch klettern ließ, stürzten sie, fast zeitgleich, mit der verkündeten 7-Prozent-Beteiligung GMs an dem französischen Traditionsunternehmen ab; Moody’s hat das Unternehmen aufgrund des schwachen Geschäftsjahres 2011 kräftig herabgestuft.

Egal, ob ein vereinbartes Zusammengehen in der Automobilbranche am Ende Kooperation, Allianz oder Joint Venture heißt, die Folge wird auch sein, dass die lukrative Zusammenarbeit markentypische Charaktere von Autos verwässert. Es ist immer weniger drin, was drauf steht. In Partnerschaften kommt es automatisch auch zum Transfer von Know-how, das bislang streng gehütet wurde. Wissen wird immer breiter gestreut. Selbst Geschäftsgeheimnisse, oft tragende Säule des Markterfolgs, machen möglicherweise die Runde. Es scheinen tatsächlich die recht zu haben, die vom Fluch und Segen automobiler Großfamilien sprechen. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)(Foto: Auto-Reporter.NET)


 

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