Kommentar: Neues Leben in Motown DetroitFalsche Schlüsse kann ziehen,

wer Detroits Peoplemover, die ferngesteuerte Hochbahn, rund ums Renaissance-Center benutzt, um etwa bequem von seinem Hotel zur Station Cobo Center und damit zur NAIAS, zur Nordamerikanischen Internationalen Auto Show, zu gelangen. Blicke aus der Ringbahn fallen auch auf längst verlassene Gebäude, hässliche Bauruinen, die sich seit Jahren als schwermütiger Kontrast zur glänzenden Fassade des modernen Renaissance-Centers behaupten, das sich als dominanter Mittelpunkt des Areals erhebt. Im Umfeld dieses imposanten Gebäudekomplexes aus Beton, Stahl und Glas, der General Motors gehört, lässt so manche gespenstige Szenerie vermuten, dass Motown die besten Jahrzehnte wohl hinter sich hat. Leicht entsteht in trister Kulisse der Eindruck, dass nicht neuer Aufstieg, sondern fortscheitender Niedergang die Autostadt Detroit prägt.

Bestätigung erfuhr die pessimistische Stimmung in den Krisenjahren 2008/2009 durch lustlos dekorierte Markenstände der amerikanischen Autobauer auf der Detroiter Autoshow. Es gab Absagen renommierter Hersteller wie nie zuvor. Schon war in Medienberichten über wenig begeisternde Exponate in glanzlosem Umfeld die Rede davon, dass die NAIAS der aufstrebenden Show in Los Angeles nun wohl unterliegen und aus Detroit eine Geisterstadt werde.


Das sehen Einheimische, aber auch Zugereiste, die besuchsweise mehr als die Oberfläche der Stadt streifen, ganz anders. Sie sind von der Zukunft Detroits, von bleibenden Chancen der Autostadt überzeugt. Recht zu geben scheint den Optimisten die diesjährige Show. Lassen es die Aussteller doch auf der NAIAS wieder „richtig krachen“, wie n-tv urteilt. Besucher schließen sich dieser Einschätzung offenbar an. Die Krise scheint vorbei, von Pleiten auf dem US-Automarkt gebe es „weit und breit keine Spur mehr“, heißt es.

Tatsächlich sind 2011 die Verkaufszahlen im wichtigen nordamerikanischen Markt kräftig gestiegen. Abgesahnt hätten 2011 vor allem die deutschen Hersteller auf dem amerikanischen Markt, hält das „Handelsblatt“ fest, wie auch konkreten Zahlen belegen. So hat die Volkswagen Group of America mit ihren Marken Audi, Bentley, Lamborghini und VW im vergangenen Jahr auf dem US-Markt 444.000 Fahrzeuge verkauft; 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allein die Wolfsburger Kernmarke legte um 26 Prozent auf 324.000 Verkäufe zu. Dazu passt die Aussage des VW-Managements in den USA, dass erstmals seit 2003 wieder operativ schwarze Zahlen geschrieben wurden. Und Gewinn machen soll bis 2013 auch das neue Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee.

Der VDA vermeldete dieser Tage: „Erstmals haben wir in den USA die Absatz-Marke von 1 Mio. Light Vehicles überschritten (exakt: 1,04 Mio.). Das entspricht einem Zuwachs von gut 18 Prozent gegenüber dem Jahr 2010. Wir sind damit im siebten Jahr in Folge schneller gewachsen als der Markt.“ Das klingt nicht nach Zufall.

Es ist noch nicht lange her, dass Schlagzeilen zur Autobranche ohne das Wort Krise kaum vorstellbar waren. Inzwischen scheint sich einmal mehr das Sprichwort zu bewahrheiten, dass es nie so schlimm kommt wie befürchtet, schlimmstenfalls weniger gut als erhofft. Mit solchen Gedanken, mit positiver Stimmung ins neue Jahr zu gehen, kann kein Fehler sein. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)(Foto: UnitedPictures/Auto-Reporter.NET)


 

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