Rückblick: Mit Trick zum neuen Mazda 323? Erwischt!Mazda ist seit vierzig Jahren in Deutschland präsent.

Das Jubiläum, das 2012 gefeiert wird, weckt auch Erinnerungen. Rückblicke können amüsieren, nachdenklich machen oder sogar froh, dass Schlimmes längst vorbei ist. Gut drei Jahrzehnte ist es mittlerweile her, dass Mazda Autos in die einstige DDR lieferte. Den überraschenden ideologischen Durchbruch schaffte damals Mazdas brandneues Frontantriebsmodell 323. Es stand für Konzeptwandel; der Vorgänger hatte noch Hinterradantrieb.

Vom Einkauf zeitgemäßer Pkws in Japan, Frankreich und Schweden versprach sich die Honecker-Riege, die Stimmung der Autohungrigen im Landstrich zwischen Rügen und Bad Brambach ein wenig heben zu können. „Zur Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der DDR und Japan“ war 1981 eine Delegation eigens nach Japan geflogen. Dort getroffene Vereinbarungen sahen auch die Lieferung japanischer Pkws vor. Eine Sensation.


Als ein erstes Kontingent von 10.000 Mazda 323 tatsächlich anlandete und es beim staatlich gelenkten IFA-Vertrieb an die planmäßige Verteilung ging, gerieten die erhitzten Gemüter jahrelang vertrösteter Autoanwärter zusätzlich in Wallung. Schließlich wollte verständlicherweise jeder endlich einmal ein „richtiges Auto“ haben. Aber eine konkrete Mazda-Bestellung hatte ja niemand in der Tasche. Glücklich werden mit einem Mazda konnten von vornherein nur Besteller mit einer registrierten Autoanmeldung, die genau zu diesem Zeitpunkt annähernd zuteilungsreif war.

Die Wartezeit, gewissermaßen staatlich organisierte Vorfreude, hatte sich beispielsweise beim Trabant kurz vorm finalen Staatsbankrott Ende 1989 auf rund 14 Jahre hochgeschaukelt. Zur Erinnerung: Volljährig, mit 18 also, durfte eine Autobestellung abgegeben werden. Junge Autoanwärter begleitete folglich die deprimierende Aussicht, einen Neuwagen womöglich erst als Zweiunddreißigjährige erwerben zu können.

Da lag der Versuch nahe, ein bisschen zu tricksen. Kam das heraus, folgte Abschreckendes. Erfahren musste das seinerzeit auch einer, der dem möglichen Besitz eines Mazda 323 entgegenfieberte. Tatsächlich verkaufte ihm der Berliner IFA-Vertrieb nach Vorlage einer schon ausreichend betagten Anmeldung seinen Traumwagen. Doch der Stolz auf den Mazda 323, der überall, wo er auftauchte, wie ein Mini-Mercedes umkreist und bestaunt wurde, währte nicht lange. Alsbald flatterte dem glücklichen Besitzer per Post die Aufforderung ins Haus, den Wagen umgehend zurückzugeben, weil gegen die Lieferbedingungen verstoßen worden sei. Der Vorwurf: Er habe innerhalb der letzten drei Jahre schon einen anderen Neuwagen, einen Wartburg, erworben, was den Bestimmungen widersprach. Außerdem seien in der „Kundenkartei“ mehrere auf seinen Namen laufende Anmeldungen entdeckt worden.

Der Mazda-Käufer fiel beim IFA-Vertrieb nicht schlechthin nur in Ungnade. Unter Androhung gerichtlicher Nachhilfe wurde der Autokauf rückgängig gemacht, das Fahrzeug eingezogen. Autohandel der besonderen Art.

Die Runde machte seinerzeit, dass Mehrfachbesteller ihre Ausmusterung offenbar einem Computer verdankten, den der IFA-Vertrieb eines Tages in Betrieb nahm. Als zeitgemäße Bürotechnik die Kästen mit Tausenden verstaubten Karteikarten verdrängte, fielen Tricks zur beschleunigten Neuwagenbeschaffung schneller auf. Das Nachsehen hatten prompt Autoanwärter, denen es – egal wie – gelungen war, mehrere Pkw-Bestellungen unterzubringen. Ein früher Beleg letztlich auch dafür, dass Computer nicht unbedingt menschenfreundlich sind. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)


 

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