Kommentar: Gelingt Fiat ein Aufstieg bis zur Spitze?Eine Vision lässt Fiat-Chef Sergio Marchionne nicht los.

Er ist – wie manch anderer Manager in der Autobranche auch – der Überzeugung, dass es künftig weltweit nur noch sechs Autohersteller im Massensegment geben wird. Schon jetzt lasse sich sagen, dass einer davon auf jeden Fall in den USA, in Deutschland, Japan und China zu Hause sein wird. In Europa wird bereits ein weiterer Platz freigehalten. Für Fiat samt neuer Allianzpartner?

Größe müsse sein. Profitabel arbeiten könne nur, wer jährlich zwischen 5,5 und sechs Millionen Fahrzeuge baue, sagt Marchionne. Fiats Einstieg bei Chrysler scheint zuversichtlich zu machen, dass sich ein Aufstieg bis zur Spitze verwirklichen lässt. Schon ergeben sich aus der derzeitigen Partnerschaft mehrere Vorteile. Indem Fiat seinem Allianzpartner Chrysler das Know-how für kleine, sparsame Autos überlasse, verschafften sich die Italiener Zugang auch zum US-Markt und einen weiteren Abnehmer für ihre Technologie, urteilt die „Automobilwoche“.


Wie sich die Zeiten doch ändern! Erinnerungen werden wach. Hätte es keinen Marchionne gegeben, der 2003 das Ruder des Konzernschiffs rumriss, wäre es möglicherweise um Fiat geschehen gewesen. Damals mangelte es der Autosparte des italienischen Konzerns nahezu an allem, was seine Zukunft hätte sichern können. Vor allem Fertigungsqualität und Effizienz waren auf der Strecke geblieben.

Mit neuen Männern und Modellen holte Marchionne Fiat aus der Krise. Und seither lässt ihn die Vorstellung nicht los, der italienische Autokonzern könnte eines Tages durchaus zu den ganz Großen in der Autowelt gehören. Vor schwebt dem Fiat-Boss eine europäische Volumen-Allianz. Indiz für gezielte Bemühungen in dieser Richtung könnte sein, dass er mit Chefs von Ford, PSA und GM auch in Detroit sprach. Doch Marchionne spielt den Inhalt der Gespräche herunter. Um ein Zusammengehen sei es bei den Treffen gar nicht gegangen. Schon abgeblitzt sei Marchionne beim französische Autobauer Peugeot, vermelden Medien inzwischen.

Hintergrund der Bemühungen um Kooperationen ist, dass es nach Auffassung von Marchionne in der europäischen Automobilbranche deutliche Überkapazitäten gibt, die es nicht zuließen, dass Volumenhersteller bezahlbare Autos bauen und dabei profitabel bleiben. Dass neidvolle Blicke Marchionnes auf einen so erfolgreichen Mehrmarkenkonzern wie Volkswagen fallen, ist naheliegend. Um Plattformen, die sich markenübergreifend verwenden lassen, kreisen auch die Ideen, die der Fiat-Chrysler-Allianz weitere Partner verschaffen und umfassenden Erfolg bringen sollen.

Vergessen ist freilich nicht, dass die einst vermeintlich im Autohimmel geschlossene Ehe Daimler-Chrysler nur wenige Jahre hielt. Die etappenweise Trennung machte deutlich, dass sich erst im Alltag zeigt, ob zusammen passt, was nach kühler rechnerischer Überlegung zusammengehören sollte. Verabredungen zu gemeinsamer Zukunft können ein rasches Verfallsdatum haben. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)(Foto: Auto-Reporter.NET)


 

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