Wolfgang Büser: Knöllchen am laufenden Band. Wegen Sommerreifen?Auch wenn Frau Holle ihre Betten etwas überraschend ausschüttelt und Autofahrer wegen des bisherigen „Winters“ vielleicht noch gar nicht auf die Idee gekommen waren, ihr Fahrzeug winterfest zu machen: Wer im Auto sitzt oder (trotz allem) Motorrad fährt, der muss mit der passenden Bereifung unterwegs sein, will er keinen Ärger bekommen. Denn es ist längst gesetzlich vorgeschrieben: Die „Ausrüstung ist den Witterungsverhältnissen anzupassen“. Wer da noch mit Sommerriefen unterwegs ist, könnte schlechte Karten haben.

Und das gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen sind unfreiwillige Rutschpartien die Folge, nicht selten verbunden mit Zusammenstößen und Verletzungen. Zum anderen ist die Polizei – außer mit Erste-Hilfe-Maßnahmen – auch mit dem Schreiben von Verwarnungen, umgangssprachlich Knöllchen genannt, beschäftigt:


Mit 40 Euro sind diejenigen dran, die nur schlecht ausgerüstet unterwegs sind, also zum Beispiel keine Winterreifen aufgezogen haben. 80 Euro müssen Fahrzeugbesitzer blechen, die zusätzlich den Verkehr „behindern“, also zum Beispiel auf leicht oder stärker ansteigenden Strecken nicht nur nicht in der Spur bleiben, sondern sich querstellen und damit lange Staus auslösen. Ein Punkt in Flensburgs Sünderkartei ist die zusätzliche Folge.

Zwar gibt es in Deutschland nach wie vor keine generelle Pflicht, Winterreifen aufzuziehen. Doch sind Winterreifen, und das ist neu gegenüber der Ursprungsfassung der Verordnung, für diejenigen Pflicht, die bei „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte auf der Fahrbahn“ unterwegs sind. Wer hier nicht die richtigen Pneus aufgezogen hat (der ADAC empfiehlt M+S-Reifen mit dem Schneeflocken-Symbol), der kann zur Kasse gebeten werden. Das bedeutet: Ohne einen entsprechenden „Straßenbelag“ darf auch im Winter mit Sommerreifen gefahren werden, was besonders in schneearmen Regionen genutzt werden kann oder wenn die Möglichkeit besteht, vorübergehend auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen.

Übrigens gehört zur „passenden Ausrüstung“ auch Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage, so will es die Straßenverkehrsordnung. Dies wurde, wie beim Hinweis auf die geeignete Bereifung, mit dem Beiwort „insbesondere“ versehen. Daraus ist zu schließen, dass es auch noch andere Kriterien geben kann, die zu einer „geeigneten Ausrüstung“ gehören können. Ob dies für längere ungeplante Aufenthalte auf einer Autobahn eine „Notverpflegung“ bedeutet oder einen vollen Reservekanister, das ist gerichtlich noch nicht entschieden ...

Und es könnte auch darüber Streit geben, welche Profiltiefe ein Winterreifen mindestens haben muss, um als „geeignet“ angesehen zu werden: Reichen die rechtlich zulässigen 1,6 Millimeter oder sollten es besser, wie es Reifenfachleute empfehlen, mindestens vier Millimeter sein? Sie gehen damit lieber auf Nummer sicher ... (Auto-Reporter.NET/Wolfgang Büser)(Foto: UnitedPicturres/Auto-Reporter.NET)

 


 

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