Verbio macht aus Stroh Energie zum Autofahren

Aus Stroh wird Energie

Um die Energie dreht sich heutzutage nahezu alles. Zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik ist ohne Berücksichtigung der abnehmenden Energieressourcen und angesichts eines weltweit steigenden Energiebedarfs nicht mehr denkbar. Nach dem kurzerhand beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie rückten in Deutschland Wind- und Sonnenstrom samt notwenig werdenden neuen Überland-Leitungen in den Mittelpunkt aktueller Energiedebatten.

Die gewaltige Dimension des Vorhabens, das nicht frei von Risiken ist, könnte greifbare andere innovative Technologien zur Energiegewinnung glatt in den Hintergrund drängen. Dabei ist deren Potenzial beachtlich. Deutlich machen das Aktivitäten von Verbio, der 2006 gegründeten Vereinigten BioEnergie AG mit Verwaltungssitz in Leipzig.

Das Unternehmen baute auf der ersten deutsche Biodieselanlage auf, die 2001 in Bitterfeld ihre Produktion aufgenommen hatte. Verarbeitet wurde Raps. Im Unterschied zu anderen Biodieselproduzenten setzt Verbio keine Produktionsanlagen „von der Stange“ ein. Die Konzepte für die Produktion von Biodiesel, Bioethanol und neuerdings auch Biomethan wurden im eigenen Hause entwickelt. „Der große Vorteil ist, dass wir die Stellschrauben kennen, um die Prozesse zu optimieren und sie beispielsweise auf verschiedene Rohstoffe auszurichten“, erklärt Frank Strümpfel, PR-Manager bei Verbio, gegenüber „Auto-Reporter“ den Hintergrund des inzwischen erreichten technologischen Vorsprungs. Maßgeblich sei Verbio unter Führung seines Gründers und Vorstandsvorsitzenden Claus Sauter daran beteiligt, dass Biokraftstoff in Deutschland zum viel beachteten Thema wurde.

Reststoffe als Basis

Der Ausgangspunkt: In den Neunzigerjahren war angesichts der riesigen Überproduktion von Getreide und der Stilllegung landwirtschaftlicher Anbauflächen in der EU über Alternativen nachgedacht worden. Zu dieser Zeit gab es in Europa, etwa in Holland, bereits kleinere Anlagen zur Herstellung von Biodiesel. Auch in Deutschland reifte die Erkenntnis, aus der misslichen Situation Sinnvolles zu machen, nämlich aus nicht verwerteten Rohstoffen Biokraftstoffe herzustellen. Von vornherein wurde bei der Verbio AG Kurs darauf genommen, so wenig wie möglich in die Nahrungsmittelkette einzugreifen, für die Produktion von Biokraftstoff nicht einmal mehr etwa Roggen oder Raps minderer Qualität einzusetzen, sondern zunehmend ausschließlich Reststoffe, die selbst als Futtermittel keine Verwendung finden.

In den Jahren 2004/2005 errichtete Verbio zwei Bioethanol-Anlagen, eine in Zörbig (Sachsen-Anhalt) und eine zweite in Schwedt (Brandenburg) auf dem Gelände der PCK Raffinerie GmbH. Mittlerweile aber sei man in Deutschland, im Grunde überall in Europa, an die Grenzen der Biokraftstoffproduktion gelangt, wertet Frank Strümpfel, wenn nicht zusätzliche Agrarflächen für diesen Zweck genutzt oder unsinnigerweise riesige Mengen geeigneter Ausgangsstoffe ins Land geholt werden sollen.

Von der Schlempe zu Biomethan

Der bei der Bioethanol-Produktion entstehende Reststoff, eine Art dünner Getreidebrei, der bei der alkoholischen Gärung nicht abgebaut werden konnte, habe aber eine zündende Idee geboren. Die sogenannte Schlempe, in der noch viel Energie steckt, ließe sich als Dünger aufs Feld bringen. Aus ihr lässt sich aber auch Biogas, Biomethan, gewinnen, wie sich bei jahrelanger gezielter Forschung herausstellte. Der nächste Schritt war folgerichtig: 2010 baute Verbio die erste Biomethan-Anlage.

„Biomethan hat den großen Vorteil, chemisch identisch mit Erdgas zu sein“, sagt Strümpfel. Deshalb sei eine Mischung in jedem Verhältnis und damit auch eine direkte Einspeisung von Biomethan ins Erdgasnetz möglich. Das geschieht am Standort der beiden Verbio-Bioethanol-Anlagen in Zörbig und Schwedt. Entsprechend vorbereitete Autos können Erdgas tanken, Biomethan kann zugemischt, aber auch mit reinem Biomethan gefahren werden. Was kostet Biogas? – Verbio liefert sein Biomethan zum Erdgaspreis.

Hühnermist zur Gasgewinnung

Für die Biomethan-Produktion können sämtlichen agrarischen Reststoffe genutzt werden. Jegliche Stroharten, Rübenblätter, selbst Gülle und Hühnermist lassen sich in Energie umwandeln. Das Verfahren tritt nicht ansatzweise in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln. Um Biomethan kostengünstig produzieren zu können, müssen sich dafür eingesetzte Reststoffe allerdings in einem Umkreis von maximal 50 Kilometern finden lassen. „Vor Ort brauchen wird dann nur noch eine Erdgasleitung, in die wir unser Biomethan einspeisen können“, setzt Verbios PR-Chef Strümpfel ein Ausrufezeichen hinter die „führende Technologie für Biomethangewinnung aus agrarischen Reststoffen“.

Am 16. März 2012 hat die VERBIO Vereinigte BioEnergie AG die weltweit erste industrielle Strohverarbeitungsanlage zur Herstellung von Biomethan in Zörbig eingeweiht. Die Strohverarbeitung zu Biogas in dieser Dimension sei einmalig. Eine einzige Anlage könne Energie erzeugen, die ausreicht, um etwa 5.000 Einfamilienhäuser ein Jahr lang mit Wärme zu versorgen. Aus 13 Millionen Tonnen Stroh, dem geschätzten maximalen Strohpotenzial in Deutschland, ließe sich Biomethan mit der Energie von umgerechnet 25 Milliarden Kilowattstunden gewinnen. Vier Millionen Pkws könnten damit ein Jahr lang mobil sein. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)(Foto: Verbio/Auto-Reporter.NET)


 

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