Normal ist, wenn Frauen mit der Mode gehen,

sich vielleicht sogar eine andere Frisur zulegen. Veränderungen können durchaus noch hübscher machen. Das trifft auch für Autos zu. Bei ihnen werden Nachbesserungen als Facelift zusammengefasst. Offensichtlich sind es vor allem schöne Augen, die den Charme haben, die Zeit bis zur Präsentation eines völlig neuen Modells überbrücken zu können. Allein andere Scheinwerfer und Heckleuchten können den Auftritt eines Pkws wirksam verändern. Das freilich hat Folgen. Quasi über Nacht lassen Design-Korrekturen Vorgängermodelle irgendwie alt aussehen.


Als BMW dem 3er Cabrio eine kosmetische Nachbehandlung angedeihen ließ, bestätigte das Ergebnis einmal mehr, dass automobile Vollkommenheit offenbar in Etappen errungen sein will. Schöne Augen machte das Cabrio bisher schon, nun aber strahlen sie in Gestalt neuer Bi-Xenon-Scheinwerfer noch mehr. Unter einer lidähnlichen Blende spenden in jedem Lichtgehäuse zwei grell leuchtende, mit LEDs besetzte Ringe auffälliges Tagfahrlicht, das dem Auto zusammen mit einer veränderten Frontschürze ein attraktiv konturiertes Gesicht gibt. Als BMW ist das Cabrio seit jeher schon von fern zu identifizieren.

Leuchtweitenregulierung und adaptives Kurvenlicht lassen sich ordern. Die Liste aufpreispflichtiger Sonderausstattungen fürs Cabrio ist lang. Zusätzliche Verwöhnung geht ins Geld. Beim Testwagen ließen Komfortzuschläge wie etwa das Abstandsradar den Einstiegspreis, BMW spricht vom Typpreis, um fast 20.000 Euro klettern. Solche Feststellung leitet die Gedanken gleich zu Grundsätzlichem. Wer der verständlichen Verführung durch das 3er Cabrio erliegt und zulässt, dass die verständliche Begeisterung für gelegentliches Offenfahren die Vernunft überspielt, muss hinnehmen, dass das Cabrio-Konzept den automobilen Nutzwert einschränkt. Das dreiteilige metallene Dach, so es denn im Kofferraum verschwinden soll, braucht nun mal Platz. Weil es den Kofferraum mit dem Reisegepäck teilen muss, hat sich die persönliche Bagage in ziemlich bescheidenen Grenzen zu halten, solange sie lediglich unter der speziellen Abdeckung untergebracht werden kann. Denn dieses „Zwischendeck“ hält jenen Raum zuverlässig frei, in den sich das Faltdach absenken kann. Kurzum: Frischluft-Fans können nicht alles auf einmal haben. Wahlweisen Open-Air-Genuss binnen 22 Sekunden (ausgelöst über einen einzigen Tastendruck) und üppiges Gepäckraumvolumen schließen sich aus. Immerhin: Bei zwingendem Bedarf gibt es 350 Liter Kofferraumvolumen und, wenn das nicht reicht, selbstverständlich umlegbare Rücksitzlehnen.

Auf die Rücksitze zu gelangen, erfordert bei allen Zweitürern eine gewisse Portion Gelenkigkeit; ebenso das Entern der Rücksitze eines 3er Cabrio. Bei abgesenktem Dach geht das Einsteigen nach hinten aber flott voran. Selbst die Köpfe großgewachsener Fondpassagiere nähern sich bei „geschlossener Vorstellung“ dem coupéhaft abfallenden Dach nur andeutungsweise. Das Cabrio gilt als Viersitzer. Während Erwachsenen auf den hinteren Plätzen weniger Kniefreiheit geboten wird als sie sicher gern hätten, können sich Fahrer und Beifahrer umfassender Verwöhnung hingeben, indem sie wohltuend bequem und komfortabel sitzen. Wie im Cockpit eines BMW eben.

Apropos Cockpit: Dessen Übersichtlichkeit gefällt. Bei unmittelbarem Umsteigen von einem namhaften Konkurrenten der deutschen Premiumliga fällt der Blick nach dem Platznehmen im BMW-Cabrio auf ein aufgeräumt wirkendes Instrumentarium. Man könnte glauben, da fehle etwas. Dabei ist alles da, was den erhobenen Anspruch eines BMW unterstreicht. Das Bedienkonzept „iDrive“ mit griffnahem Drehknopf auf der Mittelkonsole fasst zahlreiche Funktionen wie CD/Multimedia, Radio, Tefelefon und Navigation und entsprechende Textmeldungen zusammen. Gemeldet wird auch zu Ende gehende Waschanlagenflüssigkeit, steuern lassen sich so aber vor allem Klimatisierung, Navigation, Entertainment und Kommunikation. Das erlaubte, die Zahl von Bedientasten und -knöpfen zu reduzieren. Es ist auf Anhieb gut zurechtzukommen mit allem, was der Fahrer zuordnen können und bedienen möchte.

Als erster Höhepunkt für den Cabrio-Fahrer erweist sich das Anlassen des turbounterstützten Reihensechszylinders (Direkteinspritzung, vollvariable Ventilsteuerung). Schließlich geschieht der Vorgang im Wissen, dass das Topmodell des Cabrios mit nicht weniger als 225 kW/306 PS zur Sache geht. Das ist jener Moment, der Gedankengänge beflügelt, die der werbenden Freude am Fahren vorauseilen. Sobald die Leerlaufdrehzahl angehoben wird, dringt kraftvolles Röhren aus den beiden dicken Endrohren der Abgasanlage. Sound von solcher Klangfülle steigert die lustvolle Erwartung, dem kraftstrotzenden Gefährt endlich freien Lauf lassen zu können. Geschieht das, revanchiert sich der fulminante Treibsatz, unterstützt vom siebengängigen Automatic-Getriebe samt Doppelkupplung, mit ebenso spontaner wie unverhohlen brachialer Schubkraft. Umgehender Drehzahlgewinn lässt sicher jedes Sportfahrerherz höher schlagen. Fast unbemerkt wechseln die Gänge. Manuelles, sequenzielles Schalten per Schalthebel in der benachbarten Schaltgasse oder per Schaltwippen am Lenkrad bietet sich immer dann an, wenn der individuelle Fahrstil abrufbares Drehzahlfeuer schätzt. Reichlich Schubkraft liegt immer an. 400 Nm Drehmoment, angesiedelt etwa zwischen 1.300 und 5.000 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute, sind schließlich ein Wort!

Von nichts kommt nichts. Der so begeisternd potente Sechszylinder entwickelt zu erwartenden Kraftstoffdurst. Überraschen muss das nicht. Laut BMW soll er im Gesamtdurchschnitt nur knapp über durchaus moderaten neun Litern liegen. In den Testtagen bewegte er sich, verführend flott bewegt, eher um elf Liter. Anhaltend dynamische Fortbewegung ließ den Inhalt des 63-Liter-Tanks zusehends schwinden. Die stolzen 306 Pferde eines 335i-Cabrios brauchen nun mal nicht nur eine Handvoll Futter.

Wie von einem BMW erwartet, nutzt das Fahrwerk des Cabrios jede Gelegenheit, Vertrauen aufzubauen. Für BMW erklärt sich das aus der großen Portion Agilität, aus sicherer Spurtreue und ausgesprochen willigem Handling, das nicht zuletzt dem Heckantrieb zugeschrieben wird, der die Lenkung von Antriebseinflüssen freihält. Die Servolenkung erscheint einem Umsteiger zunächst als schwergängig, was offenbar mit dem Fahrzeuggewicht zu tun hat. Das Fahrwerk des Cabrios vermittelt Unerschütterlichkeit in allen Situationen. Dass auch das Fahrwerkregelsystem DSC, die dynamische Stabilitätskontrolle (also BMWs ESP), beruhigenden Anteil an der sicheren Fahrt mit dem Cabrio hat, soll erwähnt sein. Übrigens: Die Bremsen sind top!

Mit dem komfortablen, leistungsstarken BMW-Cabrio 335i auf große Fahrt zu gehen oder aber einfach nur mit ihm unterwegs zu sein und dabei – vorzugsweise in imposanter Landschaft – jederzeit die Wahl zu haben, das Dach binnen weniger Sekunden verschwinden zu lassen, wird immer wieder zum besonderen Erlebnis individueller Automobilität. Wer bislang glaubte, dass Außentemperaturen um angenommen dürftige zehn Grad Celsus „Open-Air-Genuss“ nicht zulassen und dann nur „Spinner“ offen fahren, sollte einmal ins BWM-Cabrio steigen. Wenn das Dach „weg“ ist, die Seitenscheiben aber oben und Sitzheizung samt Lenkradheizung(!) eingeschaltet sind und dazu spürbare Wärme in den Fußraum geleitet wird, hält ungetrübte Freude am Offenfahren durchaus auch bei Autobahngeschwindigkeiten an.

Ein Cabrio kann Fahrfreuden besonderer Art vermitteln. Dass das auch seinen Preis hat, überrascht eigentlich nicht. Bei BMW ist der 3er-Cabrio-Genuss per 318i für 38.700 Euro zu haben. Befeuert mit einem modernen Selbstzünder (320d), kann das Cabrio sogar zum Spartarif, sprich mit durchschnittlich fünf Litern auf 100 Kilometern, bewegt werden. Für den Testwagen, das Sechszylinder-Spitzenmodell BMW Cabrio 335i, müssen mindestens 52.350 Euro investiert werden. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)(Foto: B. Riedel/Auto-Reporter.NET )

Daten BMW 335i Cabrio:

  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,53 x 1.813 x 1,42
  • Motor (Bauart, Hubraum): Reihensechszylinder, 2979 ccm
  • Max. Leistung: 225 kW/306 PS
  • Max. Drehmoment: 400 Nm 1.200 U/min
  • Kraftstoffverbrauch (nach NEFZ, kombiniert): 9,9 l/100 km
  • CO2-Emission: 238 g/km
  • Beschleunigung von null auf 100 km/h: 5,8 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Kofferraumvolumen: max. 450 Liter
  • Leergewicht/zul. Gesamtgewicht (kg): 1.610/2.055
  • Basispreis: 52.350 Euro
  • Preis des Testwagens: 71.590 Euro

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