Daihatsu CopenSeit jeher gibt es Miniaturen,

die ihre Liebhaber finden. Ungewöhnlicher Maßstab und erstaunliche Präzision solcher Nachbildungen wecken Sammlerleidenschaft. Voller Hingabe wird überall auf der Welt auch Jagd auf originalgetreure Automodelle en miniature gemacht. Die Brücke zum „richtigen“ Auto scheinen heutzutage funkgesteuerte Spielgeräte schlagen zu wollen. Sie können inzwischen fast alles, nur eben erlauben sie nicht, dass jemand einsteigt und sich hinters Lenkrad setzt. Es gibt eine Alternative: Der kleinste Roadster der Welt, „Copen“ getauft, den Daihatsu im japanischen Stammwerk Osaka baut, erfüllt diese Wünsche. Der Winzling ist aus gutem Grund kein Massenprodukt. Er entsteht in Kleinserienmanufaktur.

Dem automobilen Bonsai lässt sich allerdings vorhalten, dass er zunächst jedermann zum Einsteigen auffordert, Großgewachsenen ab etwa 1,80 Metern dann aber einen Korb gibt. Denn bei Absegnung der Innenraumhöhe des Copen saßen offensichtlich Japaner Probe. Auch das Versenken des Alu-Hardtops, auf Tastendruck hydraulisch-elektrisch in zwanzig Sekunden erledigt, wird in solchem Falle nicht zur Rettung. Open-Air-Genuss haben sich Großgewachsene gleichfalls zu versagen, ragte deren Kopf doch mehr oder weniger über die obere Frontscheibenkante. Die Sitzhöhe lässt sich leider nicht korrigieren.

Damit aber hat es sich auch schon mit der Kritik am Auto. Den vermeintlichen weiteren Nachteil, offen nur bei so gut wie leerem Kofferraum fahren zu können, weil das abgesenkte Dach diesen Platz beansprucht, teilt der Copen prinzipiell mit den Wettbewerbern ähnlichen Konzepts. Daihatsus Winzling lässt von 210 Liter Kofferraum lediglich 18 Liter Volumen übrig. Bei einem Roadster en miniature ist nun mal nicht mehr drin.

Der schwungvolle Namenzug „Copen“ am Heck unterstreicht die durchgängig rundliche, aber durchaus sympathische Linienführung der Karosserie. Mit und ohne Dach ist das Auto eine hübsche, mancher sagt treffend niedliche Erscheinung, nach der sich Passanten umdrehen. Niemand wir erwarten, in einem so knapp geschnittenen Roadster lässig lümmelnd Platz nehmen zu können. Doch quälende Enge peinigt Fahrer und Beifahrer nicht. Man sitzt schließlich in einem Sportwagen. Die beiden körpergerecht konturierten Sportsitze verdienen sogar besonderes Lob. Sie sind überzeugend landstreckentauglich.

Aufkommendes Bonsai-Gefühl, der Kleinheit des Gefährts geschuldet, verliert sich spätestens im Fahrtwind, wenn der Open-Air-Genuss als das vor allem geschätzte Plus des Konzepts zum Zuge kommt. Knappe Fahrzeuglänge (3,39 m), langer Radstand (2,22 m) und geringes Leergewicht (850 kg) erweisen sich als passende Zutaten für den 1,3-Liter-Vierzylinder (mit variabler Ventilsteuerung DVVT), dessen 64 kW/87 PS von vornherein ja nicht gerade brachiale Gewalt androhen. In Fahrt dann überrascht, wie willig der Treibsatz doch am Gas hängt. Schon ab Tempo 55 geht's im „großen“ Gang zügig voran. Leichtgewichtigkeit zahlt sich eben aus. Bei gelassenem Cruisen lernt man die Laufruhe des Vierzylinders schätzen. Erwarteten Spaß macht aber eben auch Sprinten mit diesem agilen Mini-Roadster. Anteil daran haben nicht zuletzt die sich leicht und knackig schalten lassenden fünf Gänge.

Das maximale Drehmoment des Motors (120 Nm) bringen erst 4.400 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute zustande. Um Daihatsus Versprechen einzulösen und in 9,5 Sekunden auf Tempo 100 zu kommen, ist für reichlich Schub über raschen Drehzahlaufbau zu sorgen. Bei 180 km/h ist mit dem Tempomachen Schluss.

Daihatsus Roadster-Flottchen scheint in Landschaften mit kurvenreichen Straßen hineingeboren worden zu sein. In einer Art Katze-und-Maus-Spiel zwischen Kurve, Kehre und Copen wird automobile Fortbewegung zum Erlebnis. Entgegenkommt dem anhaltenden Vorwärtsdrang mit raschen Richtungswechseln die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung, vor allem aber das sehr straff ausgelegte Sportfahrwerk (Magna Steyr) des Fronttrieblers. Die Stabilisatoren vorn und hinten erweisen sich als wirksam. Sie dämpfen die Seitenneigung. Die Bodenfreiheit beträgt übrigens ganze 105 Millimeter.

Der „Unterbau“ allerdings verlangt durchgängig glatte, manierliche Fahrbahndecken. Buckel und Wellen, kantige Absätze gar, werden so verarbeitet, dass bei den Insassen glatt der Verdacht aufkommen könnte, das Auto habe überhaupt keine Federung. Jede markante Unebenheit, die unter die Räder kommt und die Karosserie erschüttert, weckt bedauerlicherweise Rassel- und Klappergeräusche, die zum genüsslichen offenen Dahingleiten natürlich nicht passen wollen. Über solch ärgerliche Momente muss einfach die Hoffnung hinweghelfen, dass auch die schlechteste Straße ein Ende hat. Übrigens entschied sich Daihatsu beim Copen für die Paarung von vorderen innen belüfteten Scheibenbremsen und hinteren Trommelbremsen. Im Testbetrieb gab es keine Situation, die den Gedanken an vier Scheibenbremsen aufkommen ließen.

Festzuhalten gilt auch, dass der kleine freche japanische Roadster mit allem ausgestattet ist, was Open-Air-Genuss ebenso garantiert wie einladende Wintertauglichkeit als da sind „Knopfdruck“-Hardtop, Klimaanlage, Sitzheizung, Nebelscheinwerfer. Sicher, es gibt viele verführerische Roadster größeren Kalibers, einen kleineren als Daihatsus Copen aber eben nicht. Das allein mag für die überschaubare Gemeinde der Copen-Besitzer in Deutschland der Grund gewesen sein, sich auf einen Bonsai-Roadster einzulassen. Man kann sie verstehen. (auto-reporter.net/Wolfram Riedel)

Daten: Daihatsu Copen

  • Länge x Breite x Höhe (Meter): 3,40 x 1,48 x 1,25
  • Motor (Bauart, Hubraum): DVVT Vierzylinder, 1.298 ccm
  • Max. Leistung: 64 kW/87 PS
  • Max. Drehmoment: 120 Nm ab 4.400 U/min
  • Kraftstoffverbrauch (nach NEFZ, kombiniert) 6 l/100 km
  • CO2-Emission: 140 g/km
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Leergewicht/zul. Gesamtgewicht: 850 kg/1.615/2.170 kg
  • Gepäckraumvolumen: 210 Liter (18 Liter bei versenktem Hardtop)
  • Grundpreis („Leder beige“): 19.140 Euro

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